Stromkosten: 26 Prozent teurer in zehn Jahren

Strom ist in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich teurer geworden – seit 2010 um immerhin 26 Prozent. Der Grund dafür ist weniger im Energieträger selbst zu finden, sondern in den vielen neuen Aufgaben, die der Strom und vor allem der Stromtransport für die Energiewende erfüllen müssen.

Strom aus Kernkraft und Kohle sind traditionell günstig, spielen im Markt durch den bereits begonnenen Atomausstieg und den bevorstehenden Abschied von der Kohle eine immer kleinere Rolle.

Entwicklung des Strompreises

Im europäischen Vergleich weist Deutschland im 1. HJ 2019 die teuersten Strompreise für Haushaltskunden auf. Für 2019 hatten sich die Einkaufspreise für Strom auf dem Großhandelsmarkt verteuert, sodass sich die Beschaffungskosten für die Energieversorger durchschnittlich um mehr als die Hälfte erhöhten. Auch das elektrische Heizen kann bei dem aktuellen Strompreis schnell ein teures Vergnügen werden.

Der liberalisierte Strommarkt ermöglicht es den Verbrauchern, ihren Stromlieferanten frei zu wählen. Der durchschnittliche Preis ist allerdings in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Im europäischen Vergleich weist Deutschland inzwischen die teuersten Strompreise für Haushaltskunden auf: 0,31 Euro zahlen die Deutschen durchschnittlich pro Kilowattstunde. In vielen anderen europäischen Ländern liegen die Strompreise zwischen 0,20 und 0,25 Euro/kWh, so zum Beispiel in Italien, Großbritannien oder Spanien. Für 2020 werden weiter steigende Preise erwartet, vor allem durch die weitere Erhöhung der EEG-Umlage um 5 Prozenz auf 6,756 Cent/kWh. Die Umlage wird jedes Jahr im Herbst neu festgelegt.

Preistreiber ist weniger der Großhandelspreis, zu dem die Anbieter den Strom für ihre Kunden an der europäischen Strombörse einkaufen. Der Strompreis wird heute wesentlich von den weiter steigenden Abgaben und Umlagen im Zusammenhang mit der Energiewende diktiert: Seit 1998 ist der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen um 300 Prozent gewachsen.

Mehr Strombedarf = steigender Preis


Um erneuerbaren Strom aus dem windreichen Norden Deutschlands in die energiehungrigen Industrieregionen im Süden zu transportieren, müssen landesweit die Stromnetze um- und ausgebaut werden. Mit Strom sollen künftig auch große Teile der Energieversorgung des Verkehrssektors bewältigt werden. Der notwendige Umbau des Energiesystems kostet viel Geld – und das meiste davon zahlen die Verbraucher über ihren Strompreis und vor allem über die darin enthaltenen Netzentgelte.


Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Vergleichen mit anderen Energiepreisen ist der Strompreis recht kompliziert und besteht aus mehreren Komponenten. Wichtig ist dabei die Aufteilung in Grundpreis und Arbeitspreis: Über den Grundpreis werden die Serviceleistungen des Stromanbieters finanziert. Der Arbeitspreis besteht aus folgenden Komponenten:

  • Strombeschaffung, Vertrieb und Gewinnmarge machen 21,7 % des Gesamtpreises aus.
  • Mit 24,1 % schlagen die Netzentgelte inklusive Entgelte für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung zu Buche.
  • Mit 52,5 % machen Steuern, Abgaben und Umlagen den größten Kostenblock beim Strompreis aus. Enthalten in diesen Kosten sind: 22,5 % Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG-Umlage), 16 % Umsatzsteuer, 6,8 % Stromsteuer, 5,6 % Konzessionsabgabe, 1,4 % Offshore-Netzumlage, 1,2 % §19-Netzentgelteverordnung-Umlage zur Entlastung energieintensiver Betriebe (NEV-Umlage) und 0,7 % Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz-Umlage zur finanziellen Entlastung von KWK-Anlagen.

 

Preistreiber Steuern, Abgaben und Umlagen


Die staatlichen Preisbestandteile sind bei allen Privatkunden gleich. Bei den Netzentgelten und beim eigentlichen Preis für das Produkt gibt es allerdings große regionale Unterschiede: Bei den Netzentgelten liegt das häufig an der Bevölkerungsdichte und dadurch an den Entfernungen, über die der Strom zu den Verbrauchern transportiert werden muss. Der Stromtransport zu weit verstreuten Dörfern in ländlichen Gebieten bedeutet mehr Aufwand als die Energieverteilung in einer dicht besiedelten Großstadt. Unter anderem deshalb sind die Netzentgelte in vielen Regionen Ostdeutschlands höher.

Der Preis für das eigentliche Produkt wiederum hängt vom Wettbewerb ab: Je mehr Anbieter in einem Netzgebiet ihren Strom verkaufen wollen, desto niedriger sind in der Regel die Preise. Hier gibt es auch unterschiedliche Tarife: Der sogenannte Grundversorgungstarif hat sehr kurze Kündigungsfristen, ist aber teurer. Für günstigere Angebote muss man sich länger an seinen Stromanbieter binden und ist als Kunde deshalb weniger flexibel.


 

Strom als Heizenergie: Vorteile und Nachteile

 

Vorteile von Strom

  • Keine Bevorratung von Brennstoff notwendig
  • Keine Vorfinanzierung der Lieferung, sondern regelmäßige Abschlagszahlungen
  • Relativ niedrige Investitionskosten für die neue Heizung
  • Kein Brenner und kein Abgassystem notwendig
  • Elektrische Wärmepumpe: wartungsarme Technologie
  • Keine Feinstaubemissionen vor Ort
  • Langfristig niedrige CO2-Emissionen durch den wachsenden Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen


Nachteile von Strom

  • Im Vergleich höchste laufende Betriebskosten
  • Starke Belastung des Strompreises durch Steuern, Abgaben und Umlagen
  • Mit aktuellem Strommix keine Umweltvorteile (hoher Anteil Kohlekraft)
  • Dezentrale Warmwasserbereitung bedeutet geringen Komfort und macht bei mehreren Verbrauchsstellen mehrere Heizungen nötig
  • Nachtspeicherheizungen verbrauchen sehr viel Strom, ein Verbot dieser Technologie wird seit Jahres diskutiert und war bereits beschlossen (der Beschluss wurde wieder aufgehoben)